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Yves Kleins Werke im Musiktheater im Revier werden erforscht und für die Zukunft gesichert - Kooperationsprojekt verbindet Forschung und neueste Technik bei einzigartigem Vorhaben

27. Juli 2026 um 17:01 Uhr

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GE. Wer sie einmal gesehen hat, vergisst sie nicht: Die monumentalen, blauen Wand-Reliefs des Künstlers Yves Klein im Foyer und der Garderobenhalle des Musiktheaters im Revier. Zwischen 1957 und 1959 entstanden diese Werke in enger Zusammenarbeit mit dem MiR-Architekten Professor Werner Ruhnau und weiteren Projektbeteiligten als integraler Bestandteil des Neubaus des Musiktheaters. Diese Werke in Gelsenkirchen sind die einzigen, die Yves Klein zu Lebzeiten im öffentlichen Auftrag erstellte – hierfür verwendete er auch zum ersten Mal Naturschwämme als Gestaltungsmittel. Sie sorgen für die markante unregelmäßige Struktur, deren Plastizität gegenüber der glatten Wandfläche, auf die sie unmittelbar appliziert wurden, besonders hervortritt. Diese optische Besonderheit macht die Werke aber auch besonders schwierig zu reinigen, denn denn sowohl die Naturschwämme als auch die ultramarinblauen Farbschichten sind äußerst fragil. Licht- und weitere Umwelteinflüsse haben zudem ihre Spuren hinterlassen.

Genaue Analyse der Werke

Seit 2020 werden die Wandreliefs von den Restauratorinnen Nelly Paletta und Rabea Blasczyk unter wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Dr. Gunnar Heydenreich vom Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der TH Köln konservatorisch betreut. Im Rahmen eines zweijährigen Masterprojekts im Studiengang Restaurierung und Konservierung von Kunst- und Kulturgut wurden die Werke erstmals kunsttechnologisch und konservatorisch untersucht. Im Mittelpunkt der Forschungen standen die Analyse der verwendeten Materialien, die Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte sowie die Erfassung der Zustandsveränderungen und ihrer Ursachen. Darüber hinaus wurde ein Konzept für die Reinigung und die langfristige Erhaltung der Wandreliefs entwickelt.

„Die Ergebnisse aus dem Masterprojekt haben das Verständnis der eingesetzten Materialien und Werktechniken, sowie der Entstehung und der Zustandsgeschichte entscheidend vorangebracht. Sie sind ein bedeutender Beitrag zur internationalen Forschung über die blauen Schwammreliefs von Yves Klein“, betont Heydenreich, der die Arbeit betreute.

Spezielle Geräte entwickelt

Die beiden Studentinnen nahmen zudem Kontakt zur Firma Schnick Systemtechnik in Heiligenhaus und zur Firma Kärcher auf, um ein spezielles Reinigungsgerät für die empfindlichen Oberflächen der Kunstwerke zu entwickeln.

Dieses Gerät kommt nun erstmals zum Einsatz: Seit dem 20. Juli werden im Rahmen einer Forschungskooperation zwischen der Stadt Gelsenkirchen und der TH Köln vor Ort im Musiktheater im Revier Konservierungsmaßnahmen an den beiden kleineren Werken in den Garderobenbereichen durchgeführt. Die beiden Firmen stellen ihre Geräte dabei kostenfrei zur Verfügung – eine ganz besondere Art des Sponsorings. Das Projekt verbindet derweil wissenschaftliche Untersuchung, praktische Denkmalpflege und die Ausbildung des Restaurierungsnachwuchses: Unter der fachlichen Leitung von Rabea Blasczyk, Nelly Paletta und Prof. Dr. Gunnar Heydenreich werden sieben Master-Studierende der TH Köln, der Universität Amsterdam und der Akademie der bildenden Künste Wien noch bis zum 31. Juli an den Arbeiten beteiligt sein. Dabei soll insbesondere die Festigung der empfindlichen Farbschichten sowie die schonende Reinigung der Oberflächen der beiden Schwammreliefs im Garderobenbereich im Mittelpunkt stehen.

Einzigartige Werke für Gelsenkirchen

„Die einzigartigen Werke von Yves Klein prägen nicht nur das Erscheinungsbild des Musiktheaters im Revier als Gesamtkunstwerk maßgeblich mit, sie sind auch identitätsstiftend für die ganze Stadt Gelsenkirchen. Wir sind deshalb sehr froh und sehr dankbar, dass diese monumentalen Werke von der TH Köln so fachgerecht und innovativ konservatorisch betreut werden“, betonte Andrea Lamest, Leiterin des Referats Kultur der Stadt Gelsenkirchen, bei einem Besuch der Restaurierungsarbeiten.

Die damaligen Studentinnen Nelly Paletta und Rabea Blasczyk legten 2022 das Konzept für die Reinigung und die langfristige Erhaltung der Wandreliefs vor. . Nach dem erfolgreichen Abschluss des Masterprojekts setzten sie ihre Arbeit als selbstständige Restauratorinnen in enger Kooperation mit der TH Köln fort, legten Musterachsen für die Reinigung an und bereiteten so das aktuelle Projekt in Abstimmung mit den zuständigen Denkmalbehörden und im Austausch mit der Yves Klein Foundation vor.

Ermöglicht wird dieses durch die Unterstützung der Stadt Gelsenkirchen, der TH Köln, des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sowie weiterer Förderer und Sponsoren. Gemeinsam wird damit ein Beitrag zum Erhalt eines herausragenden Kunstwerks der Nachkriegsmoderne und eines bedeutenden Kapitels der internationalen Kunstgeschichte geleistet.

Bei der Reinigung kommt unter anderem eine eigens entwickelte Methode zum Einsatz, die Druck- und Saugluft kombiniert. Ein handgeführtes Gerät wirbelt die Staubpartikel mit einem feinen Luftstrom auf und saugt sie gleichzeitig direkt ab. Mit der anderen Hand werden mithilfe eines weichen Haarpinsels anhaftende Schmutzpartikel und Fremdkörper vorsichtig entfernt. „Die pudrige Oberfläche kann auf mechanische Belastungen sehr empfindlich reagieren. Deshalb ist es nicht unser Ziel, die Staubschicht vollständig zu entfernen, sondern sie deutlich zu reduzieren. Würden wir versuchen, auch die letzten Staubpartikel abzunehmen, bestünde die Gefahr, dabei Farbpigmente mit abzutragen“, so Heydenreich.

„Bereits seit 2021 durften wir erste Voruntersuchungen und Reinigungstests an den eindrucksvollen Wandreliefs im Musiktheater unterstützen. Dass nun unsere Technik zum Einsatz kommt, zeigt, wie moderne Reinigungstechnologie und wissenschaftliche Expertise bei der Restaurierung von Kunstwerken Hand in Hand gehen. Für Kärcher ist dieses Engagement eine Fortführung unserer langen Tradition, bedeutende Kultur- und Baudenkmäler weltweit mit unserem technologischen Know-how zu schützen. Wir freuen uns, dass wir dazu beitragen können, dieses einzigartige Stück Kunstgeschichte für kommende Generationen zu erhalten“, so Thorsten Möwes, Senior Specialist Kultursponsoring bei Kärcher.

Michael Schwaab, vom Unternehmen Schnick Systemtechnik aus der Region Köln/Bonn erläutert, dass Schnick regelmäßig verschiedene Fachrichtungen der TH Köln fördert: „Wir freuen uns, dass wir mit unserer Unterstützung dazu beitragen können, die Werke von Yves Klein bestmöglich zu erhalten und wir gleichzeitig den Nachwuchs fördern können“.

Hinweis an die Redaktionen:

Technische Informationen zu den eingesetzten Kärcher-Geräten erhalten Sie über die Seite

https://www.kaercher.com/de/inside-kaercher/unternehmen/medien-informationen.html

Hintergrundinformationen/Fact Sheet von der TH Köln:

Die blauen Wandreliefs im Musiktheater im Revier (MiR) Gelsenkirchen zählen zu den bedeutendsten Werken des französischen Künstlers Yves Klein (1928–1962). Zwischen 1957 und 1959 entstanden sie in enger Zusammenarbeit mit dem Architekten Werner Ruhnau und weiteren Projektbeteiligten als integraler Bestandteil des Neubaus des Musiktheaters. Mit einer Gesamtfläche von rund 400 Quadratmetern sind sie die größten Werke, die Yves Klein realisierte und zugleich ein Schlüsselwerk innerhalb seines künstlerischen Schaffens.

Trotz ihrer besonderen kunsthistorischen Bedeutung standen die Gelsenkirchener Wandreliefs bislang nur selten im Fokus internationaler Aufmerksamkeit. Dabei markieren sie einen entscheidenden Wendepunkt in Yves Kleins künstlerischer Entwicklung: In Gelsenkirchen experimentierte der Künstler intensiv mit unterschiedlichen Pigmenten, Bindemitteln und Oberflächenstrukturen. Der weltweit für seine charakteristische Farbformel „International Klein Blue“ (I.K.B.) bekannte Künstler erprobte hier verschiedene Materialsysteme und entwickelte mit gefärbten Schwämmen neue künstlerische Ansätze.

Für das Projekt in Gelsenkirchen fertigte Yves Kleins seine erste Werkprobe mit Naturschwämmen, die in den folgenden Jahren zu einem zentralen Element seines künstlerischen Ausdrucks werden sollten. Die Wandreliefs dokumentieren damit nicht nur die Entstehung eines außergewöhnlichen Gesamtkunstwerks, sondern auch einen wichtigen Entwicklungsschritt in seinem Œuvre.

Seit 2020 werden die Wandreliefs von den Restauratorinnen Nelly Paletta und Rabea Blasczyk unter wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Dr. Gunnar Heydenreich konservatorisch betreut. Im Rahmen eines zweijährigen Masterprojekts im Studiengang Restaurierung und Konservierung von Kunst- und Kulturgut an der TH Köln wurden die Werke erstmals kunsttechnologisch und konservatorisch untersucht.

Im Mittelpunkt der Forschungen standen die Analyse der verwendeten Materialien, die Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte sowie die Erfassung der Zustandsveränderungen und ihrer Ursachen. Darüber hinaus wurde ein Konzept für die Reinigung und die langfristige Erhaltung der Wandreliefs entwickelt. Zum Einsatz kamen modernste naturwissenschaftliche Analysemethoden, darunter FT-IR-Spektroskopie, REM-EDX-Untersuchungen, Raman-Spektroskopie sowie Farbmessungen. Die Ergebnisse erweitern das Verständnis der eingesetzten Materialien und Werktechniken. Sie leisten einen bedeutenden Beitrag zur internationalen Forschung über die blauen Schwammreliefs von Yves Klein.

Nach erfolgreichem Abschluss des Masterprojekts setzen Nelly Paletta und Rabea Blasczyk ihre Arbeit als selbstständige Restauratorinnen in enger Kooperation mit der TH Köln fort, entwickelten das Erhaltungskonzept weiter und legten Testreihen zur Reinigung an. Nun stehen weitere Untersuchungen und Konservierungsmaßnahmen an. Diese umfassen insbesondere die Festigung der empfindlichen Farbschichten sowie die schonende Reinigung der Oberflächen von zwei Schwammreliefs im Garderobenbereich.

Die Konservierungsmaßnahmen werden im Rahmen einer Forschungskooperation zwischen der Stadt Gelsenkirchen und der TH Köln Köln in Abstimmung mit den Denkmalbehörden und im Austausch mit der Yves Klein Foundation durchgeführt. Das Projekt verbindet durchgeführt. Das Projekt verbindet wissenschaftliche Untersuchung, praktische Denkmalpflege und die akademische Ausbildung des Restaurierungsnachwuchses: Unter der fachlichen Leitung von Rabea Blasczyk, Nelly Paletta und Prof. Dr. Gunnar Heydenreich werden sieben MA Studierende der TH Köln, der Universität Amsterdam und der Akademie der bildenden Künste Wien vom 20. bis 31. Juli 2026 an den Arbeiten beteiligt sein.

Ermöglicht wird das Projekt durch die Unterstützung der Stadt Gelsenkirchen, der TH Köln, des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sowie weiterer Förderer und Sponsoren. Gemeinsam leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt eines herausragenden Kunstwerks der Nachkriegsmoderne und eines bedeutenden Kapitels der internationalen Kunstgeschichte.

Weitere Hintergrundinformationen von den beteiligten Firmen:

Seit 2021 sind auch Reinigungsexperten der Firma Kärcher bei den Vorversuchen eingebunden und haben bei den Tests der TH Köln unterstützt. Die Firma Kärcher stellt für das Pilotprojekt im Musiktheater im Revier zwei Industriesauger und zwei Nass-Trockensauger für professionelle Anwender mit jeweils Sonderzubehör zur Verfügung. Auch zusätzliche Schläuche zum Verlängern bis zu 20 Meter, da die Sauger am Boden stehen bleiben müssen, werden bereitgestellt.

Die speziellen Reinigungsaufsätze für die Geräte wurden von der TH Köln in Zusammenarbeit mit der Firma Schnick Systemtechnik aus Heiligenhaus entwickelt. Diese hat sich unter anderem auf Oberflächenreinigung spezialisiert: „Im Zuge der Masterarbeit von Nelly Paletta und Rabea Blasczyk meldeten sich die beiden Studentinnen im Mai 2021 bei uns und fragten an, ob es möglich ist, die geplante Arbeit mit Material und physikalischem Wissen zu unterstützen. Dank der vielen Versuche an selbstangefertigten Mustern konnten die benötigten Eigenschaften eines Reinigungsapparates definiert werden. In enger Abstimmung haben wir diesen gemeinsam entwickelt und gebaut. Für die Lehrveranstaltung der TH Köln werden zwei Reinigungsapparate in einer modifizierten Form zur Verfügung gestellt, inklusive der benötigten Druckluftversorgung und der Installation vor Ort“, so Michael Schwaab von Schnick Systemtechnik.

Quelle: Stadt Gelsenkirchen. Diese Meldung wurde im Wortlaut der herausgebenden Stelle wiedergegeben. Original lesen ↗

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