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Archäologinnen*Archäologen der Unteren Denkmalbehörde entdecken Straßenschild

22. Juli 2026 um 16:43 Uhr

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Bei einem Außentermin haben Archäologinnen*Archäologen der Unteren Denkmalbehörde Essen ein Straßenschild mit dem Schriftzug "Helfferichstraße" entdeckt. Die Anfangsvermutung, hierbei handele es sich lediglich um die Hinterlassenschaft einer Sachbeschädigung oder von Bauarbeiten, bestätigte sich nicht. Diese Vermutung war naheliegend, weil der Fund innerhalb einer Schrottansammlung mit Zivilisationsabfall der letzten 80 Jahre gefunden wurde.

Bei der weiteren Recherche stellte sich schnell heraus, dass es sich um einen Straßennamen handelte, der nur von 1933 bis 1945 im Essener Straßensystem vorkam. Wie bei alten Straßenschildern üblich, hatte das robuste Blechschild einen dunkelblauen Emailüberzug erhalten, der Schriftzug wurde in weißem Email ausgeführt.

Zum historischen Kontext

Am 8. Mai 1933 wurde die damalige Paulinenstraße in Helfferichstraße umbenannt. Ziel war es, durch eine Überprägung mit Namen, die für die NSDAP eine Bedeutung hatten, ihre Ideologie auch im Alltag in der Bevölkerung zu verankern. Der Name Paulinenstraße hatte keine besondere Bedeutung, sondern ging auf einen Beschluss der Gemeinde Rüttenscheid von 1895 zurück, die Straßen östlich der damaligen Kettwiger Chaussee nach Vornamen von Frauen zu benennen, während die westliche Seite Männernamen erhielt.

Karl Theodor Helfferich (1872-1924) war ein Wirtschaftswissenschaftler, Bankier und Politiker im Kaiserreich und der Weimarer Republik. In den Jahren nach 1900 radikalisierte sich der konservative Helfferich immer stärker, wurde einer der führenden Politiker innerhalb der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und engagierte sich auch ansonsten in rechten und antisemitischen Kreisen, die er unter anderem finanziell unterstützte. Er starb 1924 bei einem Zugunglück.

Das Ende der Helfferichstraße wurde nach dem Krieg schnell beschlossen. Am 18. Juni 1945 wurde sie wieder zur Paulinenstraße. Es ist davon auszugehen, dass das Schild im Zuge der Umbenennung entsorgt oder bereits zuvor durch Unbekannte abmontiert und weggeworfen wurde.

Der Fund gibt einen Einblick in eine damals gängige Form der Beeinflussung der Bevölkerung durch den NS-Staat. Das Straßenschild ist damit ein bedeutendes Zeitdokument. Wie alle Funde der Stadtarchäologie wird das Schild künftig im Ruhrmuseum aufbewahrt.

Quelle: Stadt Essen. Diese Meldung wurde im Wortlaut der herausgebenden Stelle wiedergegeben. Original lesen ↗